Fokus
Nachhaltige Bildung für nachhaltiges Handeln
Die Welt steht vor der Herausforderung, ihr Gesellschafts- und Wirtschaftssystem auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Die PHSG leistet ihren Beitrag zur gesamtheitlichen Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und mit zahlreichen Initiativen.
Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse: Derzeit verbraucht sie erneuerbare Ressourcen schneller, als diese wieder nachwachsen. Sie zerstört natürliche Systeme, die ihre Lebensgrundlage darstellen. Und sie verändert das komplexe Klimasystem, das Mensch und Natur seit der letzten Eiszeit vor etwa 11’000 Jahren stabile Bedingungen geboten hat.
Ein wichtiger Hebel, um Wirtschaft und Gesellschaft zu transformieren und auf eine nachhaltige, «enkeltaugliche» Basis zu stellen, ist Bildung. Dies hat der Hochschultag 2025 der PHSG deutlich gezeigt. Bildung hat die Aufgabe, Menschen zu befähigen, das eigene Handeln im globalen Kontext zu betrachten und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, wie Rektor Prof. Dr. Horst Biedermann ausführte.
«Als Pädagogische Hochschule tragen wir die Verantwortung, dazu beizutragen, dass die nachfolgenden Generationen die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich meistern können.»
Die aktuelle Ausgangslage fasste Prof. Dr. Patrick Kunz zusammen. Er stützte sich dabei über weite Strecken auf das Begleitmaterial für Lehrpersonen zum Buch «Zukunfts(K)reise – Wie wir planetenverträgliche Kreisläufe gestalten können», das 2025 aus einer Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern, der PHSG und der Empa hervorgegangen ist.
Zukunfts(K)reise – Wie wir planetenverträgliche Kreisläufe gestalten können
Das Buch «Zukunfts(K)reise – Wie wir planetenverträgliche Kreisläufe gestalten können» ist im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekts «Co-Creating Circular Futures» der PHSG und der Empa in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern und der Illustratorin Maya Ivanova entstanden. Sowohl das Buch als auch das Begleitmaterial für Lehrpersonen stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung und können gedruckt an den Mediatheksstandorten der PHSG bezogen werden.
Download «Zukunfts(K)reise – Wie wir planetenverträgliche Kreisläufe gestalten können»
Die Menschheit konsumiert in vielen Bereichen mehr oder stösst mehr Schadstoffe aus, als der Planet kompensieren kann, sagte Kunz. Dieser Fakt sei nüchtern anzuerkennen, ohne Schuldzuweisungen oder mit dem Finger auf andere zu zeigen.
«Wir müssen global denken und begreifen, dass wir alle zusammen im selben Boot namens ‹Planet Erde› sitzen.»
Trotz aller technologischer Fortschritte bleibe der Mensch auf funktionierende und leistungsfähige Ökosysteme angewiesen. «Wir müssen uns als Teil der Biosphäre begreifen. Wir sind Teil der Natur», sagte Kunz. Das Verständnis von Nachhaltigkeit fasste er in einem Satz zusammen: Die Menschheit als Gesamtheit muss innerhalb der von der Natur gebotenen Möglichkeiten ein Wirtschaftssystem betreiben, das allen Menschen und auch den künftigen Generationen ein gutes Leben ermöglicht.
Dieser Gedankengang wird auch im Begleitheft zum Buch «Zukunfts(K)reise» vertieft beleuchtet: Das aktuelle Wirtschaftssystem komme nur einem Teil der Weltbevölkerung zugute und behindere das Erreichen gesellschaftlicher Minimalstandards für alle sowie die Einhaltung planetarer Belastungsgrenzen. Gegen griffige Massnahmen zur Einhaltung dieser Grenzen würden oft wirtschaftliche Argumente ins Feld geführt. Dabei gehe aber vergessen, dass sowohl die Kosten von Naturkatastrophen als auch die Kosten für wirksame Gegenmassnahmen schon heute exorbitant seien und – ohne Wende zur Nachhaltigkeit – in Zukunft noch steigen würden.
Um ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu erreichen, ist ein Umdenken nötig: Die Möglichkeiten der Umwelt sollen den Handlungsspielraum der Gesellschaft definieren, die wiederum eine Wirtschaft definiert, die der ganzen Gesellschaft dient – das Konzept der «starken Nachhaltigkeit», die nicht einseitig auf Ökologie, sondern auch auf das menschliche Wohlergehen, die wirtschaftliche Entwicklung und Aspekte wie Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Regierungsführung fokussiert. Dieses Konzept verfolgen auch die Vereinten Nationen, die in der Agenda 2030 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung formuliert haben.
An der PHSG werden vielfältige Projekte und Initiativen umgesetzt, die zum Erreichen dieser Ziele beitragen. Der Hochschultag bot eine Plattform, um einige Beispiele zu präsentieren, die stellvertretend für viele andere vorgestellt wurden. Hier eine Auswahl:
- DIPALOG: Förderung überfachlicher Lebens- und Schlüsselkompetenzen von Schülerinnen und Schülern
- Service Learning: Lernen durch gesellschaftliches Engagement
- Sexual Harassment Awareness Day: Schweizweite Initiative von Universitäten und Hochschulen gegen sexuelle Belästigung
- ACCOMPAGNA: Angehende Lehrpersonen fördern neu zugewanderte Kinder individuell
- Lernumgebung «Future City»: Schülerinnen und Schüler gestalten die Stadt der Zukunft
Einen grossen Hebel, die Nachhaltigkeit zu fördern, bietet der Infrastrukturbereich. Die PHSG ist mit ÖKOPROFIT 2025 ausgezeichnet – ein starkes Signal für gelebte Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb. Konkrete Ergebnisse des einjährigen Programms sind unter anderem Optimierungen im Bereich Wasser, die Kreislaufwirtschaftsinitiative Circular Campus und nachhaltig organisierte Veranstaltungen unter dem Label Richtig fäschta, unterstützt durch Workshops, Beratung und ein Kennzahlensystem.
Zentral für die PHSG als Institution der Lehrpersonenbildung ist die Nachhaltigkeit in Unterricht und Lehre. Entsprechend ihrer Strategie ist es das Ziel der PHSG, zukünftige Lehrpersonen für einen nachhaltigen Unterricht sowie die Gestaltung einer nachhaltigen Schule zu qualifizieren und eine Kultur der Nachhaltigkeit zu fördern: Die Mitarbeitenden und Studierenden sollen eine Vorbildfunktion hinsichtlich ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit übernehmen und sich für die Ideale einer starken Nachhaltigkeit einsetzen. Damit leistet die PHSG einen Beitrag, die nachfolgenden Generationen in die Lage zu versetzen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.